Akt 3, o.T.(Vorhang), EK STUDIO, Düsseldorf, 2023
ERINNA KÖNIG
Akt 3, o.T (Vorhang)
Erinna Königs Werk im Rhythmus des Japanischen Noh, Jo-ha-kyū
> Jo 1982 Anfang: Jugend, Lern und Experimentierphase
> Ha 2021 Entwicklung: reifes Werk
< Kyū 2023 Höhepunkt und Beschleunigung: Erreichen eines weiterfassenden Publikums
Im Dialog mit dem Betrachter ziehen Erinna Königs Werke sich immer wieder multiplizierende Kreise. Durch die evozierten Gedanken, Gefühlen, Imaginationen stellen die Einzelnen sich selber vor, bilden aber als Gesamtes weitere Bilder im Auge des Besuchers.
Auf den Tag genau zwei Jahre und fünfzig Tage nach Erinna Königs Ableben zeigt diese erste Studio Ausstellung eine imaginäre Szene, die Erste, des 3. Aktes.
Ichts, die kleinen Kinderstühlchen sind zentral rechts platziert, in direkter Relation zu der ‘Himmelsleiter’ die alles überragend die Hauptwand diagonal durchschreitet und im Himmel entschwebt. Wendet man sich nach links, sieht man die beistehenden Lebensgefährten Erinnas, ‘Garderobenständer’, ‘Ges. gesch’, und ‘Baiser’, bei einer gemaserten Holzlandschaft stehen, gleichzeitig teilhabend und zusehend.
Rechts im vertieften Hintergrund des Raumes, direkt hinter Erinna Königs Namen auf der weißen Wand, setzt ‘Little Big Horn’ den Rahmen des Sichtfeldes. Das von Erinna geliebte und in ihrem Werk wiederkehrende Afrika erkennt man in dunkler Teer Farbe auf einer hölzernen Tischplatte mit einem glänzenden Messing Aufhänger, oder Krönchen versehen, schräg auf Kenya zulaufend. „Little Big Horn’ hängt an Seiten von ‘Herd’ das im Verhältnis, in seinem bleichen aprikosenfarbig angehauchten beige, abstrakt modern und feminin anmutet, wobei der Name ‘Herd’ an ‚Home/Heimat’ denken läßt und gleichzeitig bedeutet daß in Aktion Feuer darunter zu finden ist. Als Duo ergänzen sie sich: die inhaltlichen Kontraste komplementieren sich und lösen sich gleichzeitig im Gesamten.
Zentral rechts fliegen Schatten über die Wand. Die Schatten sind eingeschnitten in gebeiztem Sperrholz, ehemaligen Schrankrückwänden, die hintere Lage in Schultafelllack grundiert. Wir suchen Erkennbares und vermuten Formen von Flugobjekten, sicher zumindest Eines, ein zerbrochenes. Eingefräst in Holz- Doppellagen wirken die Schatten wie Fossilien von Objekten menschlicher Hand, ergo das Gegenteil von flüchtenden Schatten, ein doppelbödiger Gegensatz?
In unserem Rücken finden wir o. T., den gespaltenen weißen Pfeil, oder Meteor, der in seiner Länge den Rahmen sprengte und sich damit einen extra eingesetzten Rahmen verdiente, den wir vor einem vermauerten Nachthimmel zu entdecken glauben.
Der Eingang / Ausgang ist flankiert von ‘Hommage à Beuys’ — und ‘Danke’. Der matt schimmernde krönende Kubus entpuppt sich als besprühte Blechdose auf einem massiven Granitpfeiler, unter dem der Fußabtreter für sich selber spricht. Danke. Thank you. We are, you are, she is, here to stay.
Im Wintergarten, im privaten Raum der in den Hof hineinsieht, leuchtet ein sanftes Licht. Er dringt durch einen Spionenspiegel auf dem Displayregal in der ‘Anrichte, Eigentum (sunset). Tags wird man kaum etwas sehen, doch im Dunklen kann man Umrisse von Objekten erkennen. Dies sind die Schlüssel zu den abgeschlossenen Schranktüren der Anrichte. Aber selbst wenn man sie sieht kann man sie nicht erreichen. Privat. Persönlich. Und dennoch, und genau deshalb, universell.
Erinna König stellt uns vor Gegensätze die sich gegenseitig aufheben und im selben Satz sich zu einem Kreis erschließen. Ein Kreis in den wir alle eingebunden sind und alles verbunden ist.
Uscha Pohl